RME TotalMix FX mit Fireface UCX II: Oberfläche selbst aufbauen
Eine vollständige, schrittweise Praxisanleitung für neue TotalMix-Anwender: Oberfläche verstehen, eigene Kanalstruktur aufbauen, Submixe erstellen, Main und Phones zuweisen, PFL/Cue nutzen, Einstellungen speichern und TotalMix Remote einrichten.
KB-ID AV000034 · Version 1.0 · Stand 29.08.2026
1. Ziel und Arbeitsweise
Diese Anleitung dokumentiert nicht nur ein fertiges Setup. Sie erklärt das Modell hinter TotalMix FX so, dass eine neue Anwenderin oder ein neuer Anwender danach eine eigene Oberfläche für andere Kanalzahlen, Namen, Stereopaare und Ausgangsmischungen aufbauen kann.
Inhaltsübersicht
2. Das TotalMix-Grundprinzip
Analoge und digitale Eingangssignale
Für jeden Hardwareausgang eigener Pegel und eigenes Pan
Main, Phones, Monitor, Aufnahme, ADAT
Die drei Reihen
| Bereich | Inhalt | Aufgabe |
|---|---|---|
| Hardware Inputs | Analogeingänge, ADAT, SPDIF, AES | Eingang auswählen, Gain und Bearbeitung einstellen, Signal zu Submixes senden |
| Software Playback | Wiedergabekanäle von Windows oder einer DAW | Computerwiedergabe in einen oder mehrere Ausgangsmixe einfügen |
| Hardware Outputs | Analoge und digitale Ausgänge | Submix auswählen und dessen Gesamtpegel einstellen |
Die empfohlene Arbeitsweise ist Submix View: Zuerst einen Hardwareausgang anklicken, danach die Eingangsfader und Panoramaregler für genau diesen Ausgang einstellen.
3. Orientierung an der bereinigten Oberfläche
4. Vor Beginn sicher vorbereiten
Full Mode verwenden
Options → Operational Mode → Full ModeNur im Full Mode stehen die vollständigen Routing- und Submix-Funktionen zur Verfügung.
48 kHz für acht ADAT-Kanäle
Bei 44,1 oder 48 kHz stehen alle acht ADAT-Kanäle zur Verfügung. Bei höheren Samplefrequenzen sinkt die ADAT-Kanalzahl durch S/MUX. Für dieses Veranstaltungssetup wird 48 kHz verwendet.
Ausgänge zunächst leise stellen
Main und Phones vor dem Anschliessen oder Aufsetzen des Kopfhörers deutlich absenken. Erst nach der Routingkontrolle langsam anheben.
Digitalclock prüfen
Bei einem externen ADAT-Wandler muss genau ein Gerät Clock-Master sein. Im RME Settings-Dialog muss der beteiligte Digitaleingang Sync und nicht nur Lock melden.
5. Touchfreundliche Ansicht aufbauen
5.1 Zwei Reihen und Eingänge oben
Öffne Options → Settings → Mixer und aktiviere:
- Live Mode, PFL replaces Solo
- Exclusive Solo/PFL Mode
- 2-Row Mode with only Input in first row
Aktiviere danach im rechten Bereich 2 Row. Die obere Reihe enthält jetzt nur die Hardwareeingänge. Software Playbacks werden in die zweite Reihe verschoben, aber dadurch noch nicht ausgeblendet.
5.2 Kanalbreite
Das kleine Pfeilsymbol unten im Kanalzug wechselt zwischen breiter und schmaler Darstellung. Mit Strg plus Klick auf das Pfeilsymbol werden der gewählte Kanal und alle rechts davon liegenden Kanäle gemeinsam umgeschaltet.
5.3 Versehentliche Touch-Befehle reduzieren
In den Preferences kann die Doppelklick-Faderaktion deaktiviert werden. Das verhindert, dass ein empfindlicher Touchscreen einen Fader unbeabsichtigt auf 0 dB oder minus unendlich setzt.
6. Kanäle auswählen, benennen und sichtbar machen
6.1 Nicht benötigte Kanäle ausblenden
Channel Layout öffnen
Options → Channel LayoutBereich wählen
Die Register Inputs, Playbacks und Outputs werden getrennt bearbeitet.
Kanäle markieren
Mehrere Einträge mit Umschalt- oder Strg-Taste markieren.
Im Mixer ausblenden
Hide Channel in Mixer/Matrix aktivieren.
6.2 Empfohlenes Layout für dieses Projekt
| Register | Sichtbar | Ausgeblendet |
|---|---|---|
| Inputs | Analog 1 bis 8, ADAT 1 bis 8 | SPDIF, AES |
| Playbacks | vorerst keine | alle Software Playbacks |
| Outputs | Analog 1/2, 3/4, 5/6, Phones 7/8, ADAT 1 bis 8 | SPDIF, AES |
6.3 Namen und Farben
Ein Doppelklick auf den Kanalnamen ermöglicht einen eigenen Namen. Im Channel-Layout-Dialog können Namen in Folge eingegeben und Farben zugewiesen werden. Names in View Options zeigt bei Bedarf zusätzlich die ursprünglichen RME-Kanalnamen.
7. Mono- und Stereokanäle nach Bedarf
Kanaleinstellungen öffnen
Im gewünschten Kanal auf das Zahnrad beziehungsweise Werkzeug-Symbol klicken.
Stereo ein- oder ausschalten
Mit Stereo wird ein festes Kanalpaar zusammengefasst oder wieder in zwei Monokanäle getrennt.
Mögliche Paare sind Analog 1/2, 3/4, 5/6, 7/8 sowie ADAT 1/2, 3/4, 5/6 und 7/8. Nicht benachbarte Kanäle können nicht zu einem gemeinsamen TotalMix-Stereokanal verbunden werden.
| Quelle | Empfohlener Modus | Bedienelement |
|---|---|---|
| ein Mikrofon | Mono | Panorama |
| Laptop, Videoplayer, Keyboard | Stereo | Balance und Stereo Width |
| zwei unabhängige Funkstrecken | zwei Monokanäle | eigenes Pan pro Kanal |
8. Einen Kanal vollständig einstellen
8.1 Gain, Fader und Panorama nicht verwechseln
| Regler | Funktion | Prüfung |
|---|---|---|
| Gain | passt den Pegel am analogen Eingang beziehungsweise Vorverstärker an | kräftiges Nutzsignal mit ausreichendem Headroom, kein Over |
| Submix-Fader | bestimmt den Anteil am aktuell ausgewählten Ausgang | Ausgang zuerst auswählen, dann Fader einstellen |
| Pan/Balance | positioniert das Signal im aktuell ausgewählten Stereo-Submix | Sprachkanäle meist Mitte, Stereoquellen auf korrekte L/R-Zuordnung prüfen |
8.2 EQ
Mit EQ öffnest du Low Cut und den parametrischen Equalizer. Arbeite in dieser Reihenfolge:
- Low Cut nur so hoch setzen, dass Stör- und Trittschall reduziert werden, ohne die gewünschte Stimme oder Quelle auszudünnen.
- Störende Frequenzbereiche zuerst moderat absenken.
- Anhebungen sparsam verwenden und die Pegelanzeige auf Over prüfen.
- Nützliche Einstellungen als EQ-Preset speichern.
8.3 Dynamics
Mit D öffnest du Compressor, Expander und Auto Level. Beginne mit moderaten Einstellungen, höre die Wirkung im Kontext und beobachte die Gain-Reduction-Anzeige. Starkes Auto Level kann in Sprechpausen Umgebungsgeräusche oder Rückkopplungsneigung anheben.
8.4 Einstellungen wirken auf alle Routings
EQ und Dynamics des Eingangskanals wirken auf alle Submixe dieses Kanals. Der Fader und das Pan können dagegen pro Ausgang unterschiedlich sein.
9. Main und Phones korrekt zuweisen
Main Out festlegen
Control Room → Assign → Main Out → Analog 1/2Phones festlegen
Control Room → Assign → Phones 1 → Analog 7/8Vorhörziel festlegen
Control Room → Assign → Cue/PFL to → Phones 1Der normale Phones-Submix wird erstellt, indem Phones 1 ausgewählt und danach die Eingangsfader eingestellt werden. Wird PFL oder Cue aktiviert, dient derselbe physische Ausgang als Vorhörweg.
10. PFL und Cue richtig unterscheiden
| Funktion | Bedienort | Was wird gehört? |
|---|---|---|
| PFL | Solo/PFL-Taste eines Eingangs | ein einzelner Eingang vor dem Submix-Fader |
| Cue | Cue-Taste eines Hardwareausgangs | der vollständige Submix dieses Ausgangs |
| Phones-Submix | Phones 1 auswählen und Eingangsfader mischen | der normale, eigene Kopfhörermix |
PFL einrichten
Unter Options → Settings → Mixer werden Live Mode, PFL replaces Solo und Exclusive Solo/PFL Mode aktiviert. Damit führt die Solo-Taste die PFL-Funktion aus und ein neuer PFL-Kanal löst den vorherigen ab.
Prüfroutine
- Main ausgewählt lassen und einen Eingangsfader schliessen.
- PFL am Eingang aktivieren.
- Das Signal muss auf Phones hörbar sein, obwohl der Main-Send geschlossen ist.
- PFL deaktivieren. Der normale Phones-Submix muss wieder hörbar sein.
- Einen optionalen Hardwareausgang mit Cue abhören und danach Cue wieder lösen.
11. Zusätzliche Ausgangsmischungen
Das Vorgehen ist immer gleich:
- Gewünschten Hardwareausgang anklicken.
- Prüfen, dass genau dieser Ausgang hervorgehoben ist.
- Eingangsfader und Pan für diesen Ausgang einstellen.
- Ausgangsfader auf einen sicheren Pegel stellen.
- Mit Cue über Phones kontrollieren.
| Ausgang | Mögliche Verwendung |
|---|---|
| Analog 3/4 | Aufnahme, Streaming, Nebenraum oder Monitorpaar |
| Analog 5/6 | weiteres Monitorpaar oder Delay-Lautsprecher |
| ADAT 1/2 bis 7/8 | vier digitale Stereo-Submixe oder einzelne Monowege |
12. Layout Preset, Snapshot und Workspace
| Speicherart | Speichert hauptsächlich | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Layout Preset | Sichtbarkeit, Remote-Ausschlüsse, Namen, Farben und je nach Preference Ansichtsstatus | Analog, ADAT, Live, Übersicht |
| Snapshot | Mixerzustand wie Routing, Fader, Pan, Mute und Bearbeitung | Einlass, Präsentation, Pause, Diskussion |
| Workspace | Gesamtprojekt inklusive Snapshots und Layout Presets | Veranstaltung oder Raum komplett sichern |
12.1 Layout Preset speichern
- Options → Channel Layout öffnen.
- Store anklicken.
- Gewünschten Preset-Speicherplatz anklicken.
- Preset per Doppelklick sinnvoll benennen.
12.2 Workspace speichern
- File → Save Workspace As…
- Dateinamen vergeben, zum Beispiel
Live 16 Inputs.tmws. - Spätere Änderungen mit Strg + S sichern.
12.3 Wiederherstellung testen
Nach dem Speichern TotalMix nicht sofort produktiv einsetzen. Zuerst den Workspace neu laden und prüfen, ob Main, Phones, PFL-Ziel, sichtbare Kanäle, Mono/Stereo-Zustände, Namen, EQ und Dynamics erwartungsgemäss wiederhergestellt werden.
13. Gesamten Mixer mit TotalMix Remote bedienen
Hardwaremixer
TotalMix FX per USB
Windows, macOS oder iPad im Netzwerk
13.1 Host einrichten
- Options → Network Remote Settings öffnen.
- Enable TotalMix Remote Server aktivieren.
- Windows-Firewall für das private Veranstaltungsnetz freigeben.
- Host-IP notieren. Standardport ist üblicherweise 7009.
13.2 Remote verbinden
- TotalMix Remote auf dem zweiten Gerät starten.
- In Host Connection Settings die IP des Hosts eintragen.
- Port 7009 verwenden, sofern am Host nicht geändert.
- Status Connected prüfen.
Für Veranstaltungen ist eine kabelgebundene Ethernet-Verbindung vorzuziehen. Die Remote kann eine eigene, lokal gespeicherte GUI-Ansicht besitzen. Der Mixzustand kommt vom Host, bestimmte Darstellungsdetails wie offene Panels oder Kanalbreiten können lokal abweichen.
14. Praxisbeispiel: „Live 16 Inputs“
Das gezeigte Beispiel verwendet folgende benutzerfreundliche Namen:
| Sichtbarer Kanal | Typ | Beispielhafte Verwendung |
|---|---|---|
| Mic 1, Mic 2 | Mono | direkte Mikrofone am UCX II |
| dbX Mic 1, dbX Mic 2 | Mono | weitere analoge Mikrofonwege |
| Laptop | Stereo | analoger Stereo-Zuspieler |
| Video | Stereo | zweiter Stereo-Zuspieler |
| Funk 1 bis Funk 8 | Mono | acht ADAT-Eingänge |
Main liegt auf Analog 1/2. Phones 1 liegt auf Analog 7/8 und ist Ziel für PFL/Cue. Analog 3/4, Analog 5/6 und ADAT 1/2 bis 7/8 bleiben für optionale Submixe sichtbar.
15. Abschlusskontrolle vor einer Veranstaltung
Signal und Routing
- 48 kHz eingestellt
- ADAT zeigt Sync
- alle 16 Eingänge zeigen Signal
- Main ist Analog 1/2
- Phones ist Analog 7/8
- Cue/PFL-Ziel ist Phones 1
- jeder Main-Send geprüft
- Pan/Balance jedes Kanals geprüft
Bedienung und Sicherheit
- Phones zunächst leise
- PFL funktioniert bei geschlossenem Main-Send
- Exclusive PFL funktioniert
- Cue jedes benötigten Submixes geprüft
- EQ/Dynamics ohne Over
- Workspace gespeichert und neu geladen
- Remote zeigt Connected
- Fallback-Bedienung am Host möglich
Fehlersuche in drei Fragen
- Welcher Hardwareausgang ist gerade ausgewählt? Sonst wird möglicherweise der falsche Submix bearbeitet.
- Ist der Kanal nur ausgeblendet? Über Channel Layout und All lässt er sich wieder sichtbar machen.
- Ist der ADAT-Eingang wirklich Sync? Nur Lock reicht für einen störungsfreien Verbund nicht aus.
16. Quellen und Dokumentstand
- RME, Bedienungsanleitung Fireface UCX II, Version 1.6, Februar 2026, insbesondere Kapitel 25 bis 30.
- RME TotalMix FX, exportierte Hilfedatei
contents.htm, Bereiche Channels, Channel Layout, Settings, OSC und TotalMix Remote Server. - Eigene TotalMix-FX-Screenshots des beschriebenen UCX-II-Projekts, Stand 29.08.2026.
Hinweis: Menünamen können sich zwischen TotalMix-Versionen geringfügig unterscheiden. Vor einer produktiven Veranstaltung immer anhand der installierten Version testen.
Änderungslog
| Version | Datum | Änderung |
|---|---|---|
| 1.0 | 29.08.2026 | Vollständige Migration der TotalMix-FX-Praxisanleitung ins avitech TechWiki; eingebettete Grafiken erhalten und SEO-/Metadatenstruktur ergänzt. |