Denon XG-7002 – Messanleitung und Plattenbeschreibung

Breitband-Frequenzgang und Übersprechen des montierten Abtastsystems von 3 Hz bis 50 kHz.

AV000025Version 1.0Stand 2026-07-30publicAudio / VideoMessanleitung

Kurzinformation

KB-ID
AV000025
Version
1.0
Stand
2026-07-30
Messschallplatte
Denon XG-7002
Dokumenttyp
Messanleitung
Quellstand
Fachentwurf 0.9 vom 2026-07-29

1. Zweck und Messgrenzen

Die XG-7002 dient der Messung von Tonabnehmer- und Tonarmeigenschaften über einen aussergewöhnlich grossen Frequenzbereich. Beide Plattenseiten sind inhaltlich gleich aufgebaut.

Mit der XG-7002 sinnvoll messbarNicht isoliert bestimmbar
Breitband-Frequenzgang des montierten AbtastsystemsFrequenzgang nur des Diamanten
Hochtonresonanzen und elektrische AbschlusswirkungRIAA-Abweichung eines normalen Phonovorverstärkers ohne separate Referenz
Tieftonresonanz von Tonarm und Tonabnehmerstatische Nadelnachgiebigkeit
frequenzabhängiges Übersprechen links/rechtsmikroskopischer Nadelverschleiss
Vergleich von Nadeleinschüben bei identischer Restketteabsolute Messwerte ohne korrekte Wiedergabeentzerrung
Korrekte Bezeichnung: „Breitband-Frequenzgang beziehungsweise Übersprechen des montierten Phono-Abtastsystems unter den dokumentierten Abschluss- und Messbedingungen.“

2. Aufbau beider Plattenseiten

BandKanalSignalAufzeichnung
1links1 kHz Pilot, Pause, Sweep 1–50 kHzkonstante Schnellenamplitude 4 cm/s Spitze, 45°-Richtung
2rechts1 kHz Pilot, Pause, Sweep 1–50 kHzwie Band 1
3linkszweite Aufnahme des Sweeps 1–50 kHzwie Band 1
4rechtszweite Aufnahme des Sweeps 1–50 kHzwie Band 1
5links, danach rechts1 kHz Pilot, Sweep 3 Hz–1 kHz250-Hz-Turnover; 4 cm/s Spitze bei 1 kHz, 45°-Richtung
Die doppelte Aufzeichnung der Hochfrequenz-Sweeps erlaubt eine Wiederholungsprüfung innerhalb derselben Plattenseite. Unterschiede zwischen Band 1/3 oder 2/4 können auf lokale Verschmutzung, Rillenfehler oder Messinstabilität hinweisen.

3. Bänder 1–4: Hochfrequenz-Sweep 1 kHz bis 50 kHz

  • Frequenzbereich: 1 kHz bis 50 kHz
  • Aufzeichnungsart: konstante Schnellenamplitude
  • Spitzengeschwindigkeit: 4 cm/s
  • Modulationsrichtung: 45°, kanalgetrennt
  • Pilotton: 1 kHz, 10 Sekunden
  • unmodulierter Zwischenabschnitt: ungefähr 7 Sekunden
  • Sweepgeschwindigkeit: 5 Sekunden pro Oktave
  • historische Pegelschreiber-Zuordnung: 3 mm/s Papiergeschwindigkeit bei B&K 2305/2307

Bei idealer, breitbandiger Wiedergabe mit passender Messkette sollte der Ausgangspegel über dem Sweep möglichst konstant bleiben. Die Messung oberhalb 20 kHz setzt jedoch eine ausreichend hohe Bandbreite von Tonabnehmer, Vorverstärker, Messgerät und Audiointerface voraus.

Kein normaler RIAA-Phonoeingang als unkritische Standardlösung: Für eine korrekte Auswertung muss die genaue Schneid- und Wiedergabecharakteristik berücksichtigt werden. Ein gewöhnlicher RIAA-Entzerrer kann den gemessenen Verlauf verändern. Die Messkette muss vor Verwendung validiert werden.

4. Band 5: Tieffrequenz-Sweep 3 Hz bis 1 kHz

  • Frequenzbereich: 3 Hz bis 1 kHz
  • Aufzeichnungskennlinie: 250-Hz-Turnover
  • Bezugswert: 4 cm/s Spitzenwert bei 1 kHz
  • Pilotton: 1 kHz, 24 Sekunden
  • Sweepgeschwindigkeit: 15 Sekunden pro Oktave
  • historische Pegelschreiber-Zuordnung: 1 mm/s Papiergeschwindigkeit
  • linker und rechter Kanal je einmal innerhalb Band 5

Die Tieftonmessung macht insbesondere die Arm-/Systemresonanz sichtbar. Für eine quantitative Frequenzgangkurve muss die 250-Hz-Wiedergabekorrektur angewendet werden.

5. Wiedergabekorrektur für den 250-Hz-Turnover

Die Originalanleitung zeigt eine aktive und eine passive Beispielschaltung. Die theoretischen Wiedergabewerte sind auf den flachen Bereich bei hohen Frequenzen bezogen.

HzKorrektur dBHzKorrektur dBHzKorrektur dB
3+38,4260+12,642 k+0,07
4+35,9280+10,323 k+0,03
5+33,98100+8,604 k+0,02
6+32,40150+5,775 k+0,01
7+29,90200+4,096 k+0,01
8+27,97300+2,297 k+0,01
15+24,45400+1,438 k0
20+21,97500+0,979 k0
30+18,48600+0,7010 k0
40+16,03800+0,4015 k0
50+14,151 k+0,2620 k0
Korrigierter Pegel(f) = gemessener Pegel(f) + Tabellenkorrektur(f)
Hohe Tieftonanhebung: Bei 3 Hz beträgt die theoretische Korrektur +38,42 dB. Dadurch werden Rumpeln, Trittschall, Gleichlauffehler, Plattenverwellung und Vorverstärkerrauschen stark angehoben. Die Messkette benötigt grosse Aussteuerungsreserve.

6. Geeignete Messgeräte

AufgabeEmpfohlenHinweis
HF-Sweep bis 50 kHzAudiointerface ≥192 kHz, breitbandiger Vorverstärker, FFT-/Sweepsoftware96 kHz Abtastrate reicht wegen Nyquist nicht bis 50 kHz
LF-Sweep ab 3 HzDC-nah gekoppeltes Interface/Analysator mit grosser DynamikHochpassfilter deaktivieren oder exakt dokumentieren
Frequenz-/PegelkontrolleNeutrik A1 ergänzendA1-Bandbreite bis 40 kHz; 50-kHz-Ende nicht vollständig erfassbar
ÜbersprechenZweikanal-FFT oder Neutrik A1 im gültigen FrequenzbereichNutz- und Fremdkanal gleichzeitig messen
ResonanzbeobachtungOszilloskop plus FFTTonarmbewegung zusätzlich visuell beobachten
historisches VerfahrenB&K 2305/2307 Pegelschreiber3 mm/s für HF, 1 mm/s für LF

7. Vorbereitung

  1. Plattenspieler waagerecht und schwingungsarm aufstellen; Lautsprecher stummschalten.
  2. Nadel reinigen; Auflagekraft, Antiskating, Azimut und Geometrie dokumentieren.
  3. Tonabnehmerabschluss und Messvorverstärker festlegen. Widerstand, Kapazität und Verstärkung protokollieren.
  4. Für 50 kHz die gesamte Messkette mit einem elektrischen Referenzsignal auf Bandbreite prüfen.
  5. Audiointerface auf mindestens 192 kHz und 24 Bit einstellen; automatische Pegelregelung deaktivieren.
  6. Aussteuerungsreserve insbesondere für die Tieftonkorrigierung sicherstellen.
  7. Platte reinigen und zunächst Band 1/2 mit niedrigem Monitorpegel prüfen.

8. Messablauf Hochfrequenz

  1. Band 1 links und Band 2 rechts vollständig aufzeichnen.
  2. 1-kHz-Pilotton als Pegelreferenz und Startmarke verwenden.
  3. Unmodulierten Abschnitt nicht in die Sweepauswertung einbeziehen.
  4. Sweep mit zeitabhängiger Frequenzzuordnung von 5 s/Oktave analysieren.
  5. Band 3/4 als unmittelbare Wiederholungsmessung verwenden.
  6. Kurven links/rechts auf 1 kHz normieren und Kanalabweichung bilden.
  7. Ergebnisse oberhalb der validierten Messkettenbandbreite nicht veröffentlichen.
Empfohlene Darstellung: Frequenzgang L/R, Kanalabweichung L−R sowie Wiederholungsdifferenz Band 1 zu 3 und Band 2 zu 4.

9. Messablauf Tieffrequenz

  1. Band 5 mit 192 kHz/24 Bit und deaktivierten Hochpässen aufzeichnen.
  2. 24-s-Pilotton bei 1 kHz als Referenz verwenden.
  3. Linken und rechten Sweep getrennt markieren.
  4. Frequenz über 15 s/Oktave zuordnen.
  5. Gemessenen Pegel mit der 250-Hz-Korrekturtabelle entzerren.
  6. Resonanzfrequenz, Resonanzhöhe und Kanalunterschied dokumentieren.
  7. Unterhalb der validierten Grenzfrequenz von Vorverstärker und Interface keine absoluten Aussagen treffen.
Die sichtbare Resonanz ist das Ergebnis aus Tonarmmasse, Tonabnehmermasse, Befestigung und dynamischer Nadelnachgiebigkeit. Die XG-7002 misst nicht isoliert nur die Compliance.

10. Frequenzabhängiges Übersprechen

Kanaltrennung(f) [dB] = Pegel Nutzkanal(f) − Pegel Fremdkanal(f)
  1. Bei linkem Sweep beide Ausgangskanäle gleichzeitig erfassen und L→R berechnen.
  2. Bei rechtem Sweep beide Kanäle erfassen und R→L berechnen.
  3. Band 3/4 als Wiederholung kontrollieren.
  4. Azimut, Nadelorientierung, Generatorasymmetrie und Vorverstärkerübersprechen als gemeinsame Einflussgrössen nennen.

11. Messprotokoll

11.1 Pflichtangaben

  • Plattenspieler, Tonarm, Tonabnehmer und Nadel
  • Auflagekraft, Antiskating, Azimut und Geometrie
  • Messvorverstärker, Abschlusswiderstand, Kapazität und Gain
  • Audiointerface, Abtastrate und Kalibrierung
  • verwendete Seite, Band und Wiederholung
  • verwendete Entzerrung beziehungsweise 250-Hz-Korrektur
  • gültiger Messfrequenzbereich der gesamten Kette
MessgrösseLinksRechtsDifferenzBemerkung
HF-Frequenzgang 1–20 kHz… dB… dB… dB
HF-Frequenzgang 20–50 kHz… dB… dB… dBnur validierte Bandbreite
Resonanzfrequenz… Hz… Hz… Hz
Resonanzhöhe… dB… dB… dB
Übersprechen bei 1/10/20 kHz… dB… dB… dB
Geeignete Kundenformulierung: „Mit der Denon XG-7002 wurde der Breitband-Frequenzgang des montierten Abtastsystems im validierten Bereich von … Hz bis … kHz bestimmt. Die Tonarm-/Systemresonanz lag bei … Hz. Die frequenzabhängige Kanaltrennung betrug … dB bei … kHz. Abschluss, Messentzerrung und Messbandbreite sind im Protokoll dokumentiert.“

12. Grenzen und Fehlerquellen

  • 50 kHz liegen ausserhalb der Bandbreite vieler Phonovorverstärker und Audioanalysatoren.
  • Bei 192 kHz Abtastrate begrenzen Anti-Alias-Filter die Genauigkeit nahe 50 kHz.
  • Die 250-Hz-Korrektur hebt tieffrequente Störungen stark an.
  • Exzentrizität und Verwellung beeinflussen den Bereich weniger Hertz.
  • Plattenverschleiss, Schmutz und lokale Rillenfehler können Sweepkurven verändern.
  • Elektrische Abschlusskapazität prägt bei MM-Systemen den Hochtonverlauf wesentlich.
  • Übersprechen ist eine Systemeigenschaft und kein isoliertes Mass des Diamanten.
  • Die beiden Plattenseiten und doppelten HF-Sweeps sollten als Reproduzierbarkeitskontrolle benutzt werden.

13. Eingebettete Originalscans

Die drei bereitgestellten Originalscans sind als Base64 direkt in diese einzelne HTML-Datei eingebettet.

Denon XG-7002 japanische Originalübersicht mit Frequenzkurven, Spuranordnung und Korrekturtabelle
Scan 1: Japanische Gesamtübersicht; um 90° im Uhrzeigersinn gedreht.
Denon XG-7002 englische Beschreibung der Hoch- und Tieffrequenz-Sweeps
Scan 2: Englische Beschreibung von Pickup Test I.
Denon XG-7002 englische Diagramme, Spuranordnung und 250-Hz-Wiedergabekorrektur
Scan 3: Aufzeichnungskennlinien, Plattenaufbau, Beispielschaltungen und Korrekturtabelle.

14. Quellen und Änderungslog

  • Denon Audio Technical Test Record XG-7002, originale japanische und englische Begleitunterlagen, vom Anwender bereitgestellte Scans.
VersionDatumÄnderung
0.929.07.2026Erster vollständiger Fachentwurf; Plattenaufbau, HF-/LF-Sweeps, 250-Hz-Korrektur, Messgeräte und Messabläufe dokumentiert; Originalscans eingebettet.

Vor produktiver TechWiki-Integration: KB-ID, Dateiname, Canonical, hreflang, Indexeintrag und finalen Wrapper ergänzen.

Änderungslog

  • Version 1.0 (2026-07-30): Fachentwurf vollständig in das öffentliche TechWiki migriert.