Denon XG-7003 – Messanleitung und Plattenbeschreibung

Mechanische Impedanz, dynamische Nadelnachgiebigkeit, DIN-/JIS-Referenzpegel und Polarität.

AV000026Version 1.0Stand 2026-07-30publicAudio / VideoMessanleitung

Kurzinformation

KB-ID
AV000026
Version
1.0
Stand
2026-07-30
Messschallplatte
Denon XG-7003
Dokumenttyp
Messanleitung
Quellstand
Fachentwurf 0.9 vom 2026-07-29

1. Zweck und Messgrenzen

Die XG-7003 ist eine spezialisierte Tonabnehmer-Messplatte. Seite A bestimmt die mechanische Impedanz über die kritische Auflagekraft unmittelbar vor dem Abtastverlust. Seite B stellt definierte Referenzpegel nach DIN und JIS sowie ein 500-Hz-Rechtecksignal zur Polaritätsprüfung bereit.

Mit der XG-7003 messbarNicht isoliert bestimmbar
mechanische Impedanz des Abtastsystems über 31,5 Hz bis 16 kHzmikroskopischer Zustand des Diamanten
dynamische Nadelnachgiebigkeit aus 125–500 Hzstatische Compliance ohne Umrechnung/Annahme
Abtastgrenze und KanalasymmetrieTonabnehmer allein ohne Einfluss von Justage, Tonarm und Antiskating
DIN- und JIS-Referenzpegelabsoluter Ausgangspegel ohne kalibriertes Messgerät
Polarität der Phono-WiedergabekettePhase über der Frequenz
Belastender Test: Die mechanische Impedanz wird nahe am beginnenden Mistracking bestimmt. Die Auflagekraft wird nur kurz und kontrolliert abgesenkt. Bei sichtbarem oder hörbarem Abtastverlust wird der Versuch sofort beendet.

2. Seite A – mechanische Impedanz

Die Sinussignale liegen abwechselnd im linken und rechten Kanal. Die Aufzeichnungspegel sind so gewählt, dass sich die mechanische Impedanz direkt aus der kritischen Auflagekraft Wc berechnen lässt.

BandFrequenzSpitzengeschwindigkeit VpDirektberechnung |Zm|
A116 kHz3,47 cm/s200 × Wc
A28 kHz6,93 cm/s100 × Wc
A34 kHz6,93 cm/s100 × Wc
A42 kHz6,93 cm/s100 × Wc
A51 kHz6,93 cm/s100 × Wc
A6500 Hz6,93 cm/s100 × Wc
A7250 Hz6,93 cm/s100 × Wc
A8125 Hz3,47 cm/s200 × Wc
A963 Hz1,73 cm/s400 × Wc
A1031,5 Hz0,87 cm/s800 × Wc

Einheiten: Wc in Gramm; |Zm| in dyn·s/cm. Der Wert Wc ist die kritische Auflagekraft, bei der der Abtastverlust gerade beginnt.

W ≥ (√2 / g) · |Zm| · Vp
|Zm| = (980 / √2) · (Wc / Vp)   [dyn·s/cm]
Beispiel aus der Originalanleitung: Bei 1 kHz und Wc = 0,45 g ergibt sich |Zm| = 0,45 × 100 = 45 dyn·s/cm.

3. Seite B – Referenzpegel und Polarität

BandSignalModulationZweck
B11 kHz, 8 cm/s SpitzelinksDIN-Referenz links
B21 kHz, 8 cm/s SpitzerechtsDIN-Referenz rechts
B31 kHz, 11,3 cm/s SpitzelateralDIN-Referenz lateral
B41 kHz, 11,3 cm/s SpitzevertikalDIN-Referenz vertikal
B51 kHz, 3,54 cm/s SpitzelinksJIS-Referenz links
B61 kHz, 3,54 cm/s SpitzerechtsJIS-Referenz rechts
B71 kHz, 5 cm/s SpitzelateralJIS-Referenz lateral
B81 kHz, 5 cm/s SpitzevertikalJIS-Referenz vertikal
B9500 Hz Rechteck, Tastverhältnis 3:7lateralPolaritätsprüfung

Beim Polaritätssignal gilt gemäss Denon: Rillenauslenkung nach aussen = positiv; Rillenauslenkung nach innen = negativ.

4. Geeignete Messgeräte

AufgabeEmpfohlenHinweis
Beginnendes Mistracking erkennenZweikanal-OszilloskopWellenform beider Kanäle gleichzeitig beobachten
Kritische Auflagekraftkalibrierte Tonarmwaagein kleinen Schritten messen; Tonarmskala reicht nicht
ReferenzpegelNeutrik A1 Level/Relative LevelTrue-RMS, beide Kanäle getrennt
PolaritätOszilloskop oder A1-ScopeSignalweg muss DC- beziehungsweise impulsrichtig interpretierbar sein
VerzerrungsbeobachtungNeutrik A1 THD+N ergänzendnicht Ersatz für Oszilloskop bei kritischem Abtastbeginn
DokumentationAudiointerface/PC optionalAufzeichnungen nur mit festem Gain

5. Vorbereitung

  1. Plattenspieler waagerecht und rückkopplungsfrei aufstellen.
  2. Nadel reinigen und Zustand visuell kontrollieren; beschädigte Nadeln nicht prüfen.
  3. Geometrie, Azimut, Auflagekraft und Antiskating korrekt einstellen und dokumentieren.
  4. Phonovorverstärker mit definiertem Widerstand, Kapazität und Gain verwenden.
  5. Oszilloskop oder A1 so einstellen, dass beide Kanäle ohne Übersteuerung sichtbar sind.
  6. XG-7003 reinigen und zuerst mit der normalen Hersteller-Auflagekraft prüfen.

6. Mechanische Impedanz messen

  1. Gewünschtes Frequenzband auf Seite A wählen und bei empfohlener Auflagekraft abspielen.
  2. Linken und rechten Kanal auf dem Oszilloskop beobachten; saubere Sinusform sicherstellen.
  3. Auflagekraft nur kurzzeitig in kleinen Schritten reduzieren.
  4. Den Punkt bestimmen, an dem beginnendes Mistracking beziehungsweise Springen sichtbar wird. Dieser Wert ist Wc.
  5. Bei einseitigem Beginn den betroffenen Kanal notieren; Justage und Antiskating prüfen.
  6. Auflagekraft sofort wieder auf den Herstellerwert setzen.
  7. |Zm| mit dem Tabellenfaktor berechnen und beide Kanäle getrennt dokumentieren.
Nicht über einen bereits springenden Zustand hinaus messen. Die kritische Grenze soll angenähert, nicht wiederholt überschritten werden.

6.1 Kanalinterpretation

Gemäss Originalanleitung kann bei nach innen wirkender Kraft der Abtastverlust zuerst an der rechten Rillenwand beziehungsweise im rechten Kanal auftreten. Für eine genaue Beurteilung müssen horizontale und vertikale Spurfehler möglichst klein sein.

7. Dynamische Nadelnachgiebigkeit ableiten

Denon nennt für die Ableitung der Compliance den mittleren Frequenzbereich von 125 bis 500 Hz, in dem die Nachgiebigkeit die mechanische Impedanz wesentlich bestimmt.

cc = 1 / (2π · f · |Zm|)   [cm/dyn]

Für die übliche Angabe in µm/mN gilt:

1 cm/dyn = 1000 µm/mN
Die so bestimmte Compliance ist frequenzabhängig. Im Bericht müssen Messfrequenz, Wc und berechnete Einheit angegeben werden. Der Wert darf nicht ohne Kennzeichnung als „statische Compliance“ bezeichnet werden.

8. DIN- und JIS-Referenzpegel messen

  1. Neutrik A1 in den Pegelmodus schalten; Filter und Eingangsbereich dokumentieren.
  2. B1/B2 für kanalgetrennte DIN-Pegel verwenden.
  3. B3/B4 für laterale beziehungsweise vertikale DIN-Referenz verwenden; für L+R/L−R ist eine definierte Matrix nötig.
  4. B5/B6 und B7/B8 entsprechend für JIS messen.
  5. Pegel links/rechts, Differenz und gegebenenfalls Ausgangsspannung des Tonabnehmers dokumentieren.
Kanalabweichung [dB] = Pegel L − Pegel R
Ein einfaches Y-Kabel ist keine definierte Summier- oder Differenzmatrix. Für lateral/vertikal sind eine Messgerätefunktion oder eine präzise L+R/L−R-Matrix erforderlich.

9. Polarität mit B9 prüfen

  1. B9 abspielen und beide Kanäle am Oszilloskop darstellen.
  2. Trigger stabil auf 500 Hz einstellen.
  3. Das Rechtecksignal mit Tastverhältnis 3:7 und die erste Auslenkungsrichtung beobachten.
  4. Rillenauslenkung nach aussen als positiv, nach innen als negativ referenzieren.
  5. Signalweg abschnittsweise prüfen, wenn die Gesamtpolarität invertiert erscheint.

Die Prüfung zeigt die Polarität der vollständigen Kette. Eine Invertierung kann im Tonabnehmer, in der Headshellverkabelung, im Phonovorverstärker oder in der nachfolgenden Elektronik entstehen.

10. Messprotokoll

10.1 Pflichtangaben

  • Plattenspieler, Tonarm, Tonabnehmer und Nadel
  • Auflagekraft, Antiskating, Geometrie und Azimut
  • Phonovorverstärker, Abschluss und Gain
  • Messgerät und Einstellungen
  • Frequenzband, Kanal und Wc
  • berechnetes |Zm| und gegebenenfalls cc
  • DIN-/JIS-Referenz und Polarität
fWc LWc R|Zm| L|Zm| RccBemerkung
16 kHz… g… g
1 kHz… g… g
500 Hz… g… g… µm/mN
250 Hz… g… g… µm/mN
125 Hz… g… g… µm/mN
Geeignete Kundenformulierung: „Die XG-7003-Funktionsprüfung ergab bei … Hz eine mechanische Impedanz von … dyn·s/cm. Die daraus bei … Hz berechnete dynamische Nadelnachgiebigkeit beträgt … µm/mN. Der beginnende Abtastverlust trat links/rechts … auf. Die Messung beschreibt das montierte Abtastsystem unter den dokumentierten Justagebedingungen.“

11. Grenzen und Fehlerquellen

  • Die Erkennung des beginnenden Mistrackings ist beobachter- und messgeräteabhängig.
  • Antiskating, Azimut, Kröpfung und Tonarmlager beeinflussen Wc kanalabhängig.
  • Nadelaufhängung und Diamant wirken gemeinsam; der Diamant wird nicht isoliert geprüft.
  • Messplattenverschleiss kann die Abtastgrenze verändern.
  • Die Compliance ist frequenzabhängig und nur mit Frequenzangabe vergleichbar.
  • Die Prüfung nahe der Abtastgrenze ist nicht für beschädigte oder unbekannte Nadeln geeignet.

12. Eingebettete Originalscans

Die drei bereitgestellten Originalscans sind als Base64 direkt eingebettet. Separate Bilddateien werden nicht benötigt.

Denon XG-7003 japanische Originalübersicht zu mechanischer Impedanz, Referenzpegel und Polarität
Scan 1: Japanische Gesamtübersicht; um 90° im Uhrzeigersinn gedreht.
Denon XG-7003 englische Anleitung zur mechanischen Impedanz
Scan 2: Englische Beschreibung der mechanischen Impedanzmessung.
Denon XG-7003 englische Anleitung mit Spuranordnung, Referenzpegeln, Polarität und Berechnungstabelle
Scan 3: Compliance-Formel, Seite-B-Beschreibung, Spuranordnung und Berechnungstabelle.

13. Quellen und Änderungslog

  • Denon Audio Technical Test Record XG-7003, originale japanische und englische Begleitunterlagen, vom Anwender bereitgestellte Scans.
VersionDatumÄnderung
0.929.07.2026Erster vollständiger Fachentwurf; beide Plattenseiten, Formeln, Berechnungsfaktoren, Messgeräte und Messabläufe dokumentiert; Originalscans eingebettet.

Vor produktiver TechWiki-Integration: KB-ID, Dateiname, Canonical, hreflang, Indexeintrag und finalen Wrapper ergänzen.

Änderungslog

  • Version 1.0 (2026-07-30): Fachentwurf vollständig in das öffentliche TechWiki migriert.