Denon XG-7005 – Messanleitung und Plattenbeschreibung

Frequenzgang, Kanalabweichung, Übersprechen und Übertragungseigenschaften der vollständigen Phono-Wiedergabekette.

AV000028Version 1.0Stand 2026-07-30publicAudio / VideoMessanleitung

Kurzinformation

KB-ID
AV000028
Version
1.0
Stand
2026-07-30
Referenzschallplatte
Denon XG-7005
Dokumenttyp
Messanleitung und Plattenbeschreibung
Quellstand
Fachentwurf 0.9.1 vom 29.07.2026

1. Zweck und Messgrenzen

Die XG-7005 wurde für Messungen an der vollständigen Phono-Wiedergabekette hergestellt. Dazu gehören Nadel, Nadeleinschub, Tonabnehmergenerator, Tonarm und Justage, elektrische Belastung, Phonovorverstärker mit RIAA-Entzerrung sowie das nachfolgende Messgerät.

Messplatte → Nadel/Tonabnehmer → Tonarm und Verkabelung → Phonovorverstärker/RIAA → Messgerät
Mit der XG-7005 sinnvoll messbarNicht isoliert bestimmbar
Gesamtfrequenzgang links und rechtsFrequenzgang nur des Tonabnehmers
Kanalabweichung über der FrequenzRIAA-Abweichung nur des Phonovorverstärkers
frequenzabhängiges Übersprechenmikroskopischer Nadelverschleiss
funktionelle Unterschiede zwischen Nadeleinschüben bei identischer RestketteKlirr nur des Diamanten
Lautsprecher-/Raumübertragung mit Messmikrofonabsolute Raumakustik ohne Mikrofonkalibrierung
Korrekte Bezeichnung im Bericht: „Frequenzgang beziehungsweise Übersprechen der geprüften Phono-Wiedergabekette unter den dokumentierten Bedingungen.“

2. Seite A – RIAA-Frequenzgang und Übersprechen

2.1 Band A1 und A2: logarithmischer RIAA-Sweep

BandKanalPilotSweepPegel
A1links1 kHz, 5 s, lateral, 11,3 cm/s Spitzenwert20 Hz–20 kHz, 5 s/OktaveSweep 20 dB unter Pilot
A2rechts1 kHz, 5 s, lateral, 11,3 cm/s Spitzenwert20 Hz–20 kHz, 5 s/OktaveSweep 20 dB unter Pilot

Die Sweepgeschwindigkeit entspricht dem historischen Einsatz mit 3 mm/s Papiervorschub bei B&K-Hochgeschwindigkeits-Pegelschreibern 2305 oder 2307. Heute kann der Sweep mit einem linearen Audiointerface aufgezeichnet und zeit-/frequenzrichtig ausgewertet werden.

2.2 Band A3: Festfrequenzen 1 kHz bis 20 kHz

Die Signale werden links und rechts alternierend aufgezeichnet, ungefähr 8 Sekunden je Signal. Bezugswert: 0 dB = 8 mm/s Spitzenwert bei 1 kHz.

TeilbandFrequenzAufzeichnungspegel
A3-11 kHz0 dB
A3-220 kHz+19,62 dB
A3-318 kHz+18,72 dB
A3-416 kHz+17,71 dB
A3-514 kHz+16,57 dB
A3-612,5 kHz+15,60 dB
A3-710 kHz+13,73 dB
A3-88 kHz+11,89 dB
A3-96,3 kHz+10,00 dB
A3-104 kHz+6,61 dB
A3-112 kHz+2,59 dB

2.3 Band A4: Festfrequenzen 1 kHz bis 20 Hz

TeilbandFrequenzAufzeichnungspegel
A4-11 kHz0 dB
A4-2500 Hz−2,65 dB
A4-3250 Hz−6,68 dB
A4-4125 Hz−11,56 dB
A4-580 Hz−14,51 dB
A4-663 Hz−15,90 dB
A4-740 Hz−17,79 dB
A4-831,5 Hz−18,50 dB
A4-925 Hz−19,00 dB
A4-1020 Hz−19,27 dB
A4-111 kHz0 dB

Der abschliessende 1-kHz-Referenzton ermöglicht eine Kontrolle, ob sich der Pegel während der Tieftonmessreihe verändert hat.

3. Seite B – Übertragungsmessung mit Terzband- und Breitbandrauschen

Seite B ist für Messungen kompletter Wiedergabesysteme, Lautsprecher, Räume oder Auditorien vorgesehen. Die Signale liegen zuerst im linken, danach in identischer Folge im rechten Kanal.

3.1 Terzbandrauschen

  • 1-kHz-Pilotton: 2,5 Sekunden, lateral, 11,3 cm/s Spitzenwert
  • 29 Terzbänder von 25 Hz bis 16 kHz
  • Dauer je Terzband: 5 Sekunden
  • Pegel des Terzbandrauschens: 20 dB unter dem Pilotton
Nr.HzNr.HzNr.Hz
12511250212,5 k
231,512315223,15 k
34013400234 k
45014500245 k
56315630256,3 k
68016800268 k
7100171 k2710 k
8125181,25 k2812,5 k
9160191,6 k2916 k
10200202 k

3.2 Bewertetes und lineares Rauschen

Nach den Terzbändern folgen jeweils 5 Sekunden rosa Rauschen mit D-, A-, B- und C-Bewertung sowie 30 Sekunden rosa Rauschen mit linearer Charakteristik. Diese Signale liegen 10 dB unter dem Pegel der Terzband-Rauschsignale.

BandKanalInhalt
B1linksTerzbandrauschen 25 Hz–16 kHz; danach D/A/B/C und linear
B2links30 s rosa Rauschen, linear
B3rechtsTerzbandrauschen 25 Hz–16 kHz; danach D/A/B/C und linear
B4rechts30 s rosa Rauschen, linear

4. Geeignete Messgeräte

AufgabeEmpfohlenAlternative/Hinweis
Festfrequenz-PegelmessungNeutrik A1, relative Pegelmessungkalibriertes True-RMS-NF-Voltmeter
ÜbersprechenNeutrik A1 Crosstalk oder Zweikanal-FFTNutz- und Fremdkanal getrennt messen
20-Hz–20-kHz-Sweeplineares Audiointerface mit Analyse-/FFT-SoftwareA1 mit extern getriggertem Sweep nur nach Funktionsabgleich
THD+N an FestfrequenzenNeutrik A1 THD+NFFT-Analysator; Ergebnis bleibt Gesamtkette
Lautsprecher/Raumkalibriertes Messmikrofon, Kalibrator und Terzband-/RTA-Softwarekalibrierter Schallpegelmesser
SignalprüfungOszilloskop/A1-Scopenur ergänzend
Wichtig: Für Frequenzgang und Übersprechen muss die Phonostufe korrekt abgeschlossen sein. Eingangskapazität, Eingangswiderstand, Gain und alle Filter werden dokumentiert und während der Messreihe nicht verändert.

5. Vorbereitung

  1. Plattenspieler waagerecht und vibrationsarm aufstellen; Lautsprecher stummschalten.
  2. Nadel reinigen, Auflagekraft prüfen und Antiskating dokumentieren.
  3. XG-7005 reinigen und auf sichtbare Schäden prüfen.
  4. Phonovorverstärker, A1 und gegebenenfalls Audiointerface aufwärmen.
  5. Messkette ohne Platte auf Brumm, Rauschen und Übersteuerung prüfen.
  6. Tonabnehmerabschluss, Phonogain, A1-Eingangsbereich, Filter und Abtastrate protokollieren.
  7. Bei A/B-Vergleichen nur eine Einflussgrösse ändern, z. B. ausschliesslich den Nadeleinschub.

6. RIAA-Sweep messen

6.1 Digitales Verfahren

  1. A1/A2 über den definierten Phonovorverstärker mit mindestens 96 kHz/24 Bit aufzeichnen.
  2. 1-kHz-Pilot separat erfassen und je Kanal als 0-dB-Referenz verwenden.
  3. Sweepbereich exakt nach dem Pilot abgrenzen.
  4. Amplitude frequenzabhängig auswerten; linke und rechte Kurve getrennt darstellen.
  5. Kurven auf 1 kHz normieren und zusätzlich L−R als Kanalabweichung berechnen.
  6. Restwelligkeit, Hochtonresonanzen und Tieftonabweichungen dokumentieren.
Nicht automatisch korrigieren: Die Plattensignale sind für RIAA-Wiedergabe ausgelegt. Eine zusätzliche RIAA-Korrektur in der Software würde die Messung verfälschen, sofern das Signal bereits über einen normalen RIAA-Phonovorverstärker geführt wurde.

6.2 Ergebnisdarstellung

  • Frequenzgang links und rechts, 20 Hz–20 kHz
  • Normierung auf 1 kHz
  • maximale Abweichung im definierten Bereich
  • maximale Kanalabweichung
  • Messkette und Abschlusswerte

7. Festfrequenzen mit dem Neutrik A1 messen

  1. A3-1 beziehungsweise A4-1 bei 1 kHz abspielen und pro Kanal 0 dBr setzen.
  2. Jede folgende Frequenz nach dem Umschwingen stabil messen.
  3. Links und rechts getrennt erfassen; Signale wechseln innerhalb des Bandes.
  4. Messwert gegen den erwarteten, nach RIAA-Wiedergabe idealerweise konstanten Ausgangspegel bewerten.
  5. A4-11 bei 1 kHz mit der Anfangsreferenz vergleichen.
  6. Jede auffällige Frequenz wiederholen, um Staub oder Knackser auszuschliessen.
Nutzen: Die Festfrequenzen liefern leicht protokollierbare Einzelwerte und eignen sich besonders gut für reproduzierbare Vergleiche zwischen zwei Nadeleinschüben oder zwei Phonoeingängen.

8. Übersprechen messen

Da die Festfrequenzen links und rechts alternierend vorliegen, kann der Nutzkanal dem jeweils nicht angeregten Kanal gegenübergestellt werden.

Kanaltrennung [dB] = Pegel Nutzkanal [dB] − Pegel nicht angeregter Kanal [dB]
  1. Bei linkem Prüfsignal Pegel links und rechts messen; Differenz als L→R notieren.
  2. Bei rechtem Prüfsignal Pegel rechts und links messen; Differenz als R→L notieren.
  3. Messung über mehrere Frequenzen wiederholen.
  4. Asymmetrie und Frequenzabhängigkeit dokumentieren.
Das Resultat enthält Azimut, Diamant-/Cantileverorientierung, Generator, Verkabelung, Phonostufe und Messplatte. Eine schlechte Kanaltrennung ist nicht automatisch ein Beweis für Nadelverschleiss.

9. THD+N als ergänzende Funktionsmessung

Die sinusförmigen Festfrequenzen können zusätzlich mit der THD+N-Funktion des Neutrik A1 untersucht werden. Diese Messung war nicht die einzige Hauptaufgabe der Platte und muss vorsichtig interpretiert werden.

  • THD+N enthält Plattenrauschen, Staubimpulse, Brumm und Rumpeln.
  • Bei hohen Frequenzen muss geprüft werden, ob der A1-Grundwellenfilter und die Messbandbreite geeignet sind.
  • Für Nadelvergleiche bleibt die gesamte Restkette identisch.
  • Ergebnisse werden als „THD+N der Wiedergabekette“ bezeichnet.

10. Lautsprecher- und Raummessung mit Seite B

  1. Messmikrofon am definierten Hör- oder Messpunkt positionieren und kalibrieren.
  2. Lautstärke mit dem 1-kHz-Pilot auf einen sicheren Referenzpegel einstellen.
  3. Terzbänder über einen Terzbandanalysator/RTA erfassen; Zeitkonstante auf die 5-s-Signale abstimmen.
  4. Linken und rechten Lautsprecher getrennt messen, da die Signale kanalgetrennt vorliegen.
  5. D/A/B/C-bewertete sowie lineare Rauschabschnitte nur mit zur Bewertung passender Messgeräteinstellung auswerten.
  6. 30-s-Pink-Noise-Bänder für stabilere Mittelung verwenden.
Gehör- und Anlagenschutz: Den Pegel zuerst niedrig einstellen. Tieffrequente Terzbänder können Tieftöner stark auslenken, hochfrequente Signale Hochtöner thermisch belasten.

11. Messprotokoll und Kundenbericht

11.1 Pflichtangaben

  • Plattenspieler, Tonarm, Tonabnehmer, Nadeleinschub
  • Auflagekraft und Antiskating
  • Phonovorverstärker, Gain, Widerstand und Kapazität
  • Messgerät, Abtastrate, Filter und Firmware
  • verwendete Spur und Kanal
  • Normierung auf 1 kHz
  • Messdatum und Inventarnummer der XG-7005

11.2 Ergebnistabelle Festfrequenzen

FrequenzL [dBr]R [dBr]L−R [dB]L→R [dB]R→L [dB]Bemerkung
20 Hz
1 kHz0,000,00Referenz
10 kHz
20 kHz
Geeignete Formulierung: „Die vollständige Phono-Wiedergabekette zeigte, auf 1 kHz normiert, im Bereich … Hz bis … kHz eine Abweichung von … dB. Die maximale Kanalabweichung betrug … dB. Das Übersprechen wurde mit … dB bei … kHz gemessen.“

12. Eingebettete Originalscans

Die folgenden Scans wurden vom Anwender bereitgestellt und sind zur direkten Kontrolle der Tabellen, Kurven und Spuranordnung vollständig in diese einzelne HTML-Datei eingebettet. Die HTML-Datei benötigt dafür keine separaten Bilddateien.

Denon XG-7005 japanische Begleitseite mit RIAA-Sweep, Festfrequenzen, Terzbandtabelle und Spuranordnung
Scan 1: japanische Originalübersicht mit Frequenzgang-, Übersprech- und Übertragungssignalen.
Denon XG-7005 englische Anleitung mit Festfrequenztabelle und Beschreibung von Seite A und Seite B
Scan 2: englische Beschreibung sowie Tabellen 1 und 2.
Denon XG-7005 englische Anleitung mit RIAA-Kurven, Bewertungskurven und Spuranordnung
Scan 3: Fortsetzung mit RIAA-/Bewertungskurven und Lage der Signale auf beiden Plattenseiten.

Änderungslog

  • Version 1.0 (2026-07-30): Fachentwurf vollständig in das öffentliche TechWiki migriert.