Deutsche Grammophon 641 001 – Messanleitung und Plattenbeschreibung

Praktikum der HiFi-Stereo-Technik mit Hördemonstrationen und Prüfungen zu Phase, Gleichlauf, Rumpeln, Abtastfähigkeit und Übersprechen.

AV000030Version 1.0Stand 2026-07-30publicAudio / VideoMessanleitung

Kurzinformation

KB-ID
AV000030
Version
1.0
Stand
2026-07-30
Referenzschallplatte
Deutsche Grammophon 641 001
Dokumenttyp
Messanleitung und Plattenbeschreibung
Quellstand
Fachentwurf 0.9.1 vom 29.07.2026

1. Zweck und Messgrenzen

Die Platte verbindet subjektive Hördemonstrationen mit technischen Prüfsignalen. Nicht jede Spur ist für eine absolute Zahlenmessung vorgesehen. Quantitative Angaben sind insbesondere für Gleichlauf, Rumpelvergleich, Abtastfähigkeit und Übersprechen möglich, sofern geeignete Messgeräte und die im Booklet genannten Bezugsbedingungen verwendet werden.

GeeignetNicht isoliert bestimmbar
Kanalzuordnung, Mittenabbildung, Phase und OrtungEinzelfehler eines Bauteils ohne weitere Trennmessung
Gleichlauf nach DIN 45 545 mit 3150-Hz-Anteilreiner Motorfehler ohne Einfluss von Platte und Zentrierung
Rumpelabschätzung nach DIN 45 544absolutes Lagerrumpeln ohne Messketteneinfluss
Abtastreserve bei 315 Hzmikroskopischer Nadelverschleiss
Übersprechabstand bei drei FrequenzenAzimut allein; Generator und Nadelorientierung wirken mit

2. Inhalt der beiden Plattenseiten

Seite A enthält künstliche Signale; Seite B enthält entsprechende Musikbeispiele. Die Inhaltsübersicht nennt:

GruppeInhalt
1Fehlerarten, die das Prädikat „HiFi“ ausschliessen
1.1Lineare Verzerrungen: Grenzfrequenzen 16/8/6/4 kHz; 30/100/315 Hz; kombinierte Bandbegrenzungen sowie Übertragungsfehler um 150 Hz, 3 kHz und 200 Hz
1.2Nichtlineare Verzerrungen: Klirrfaktor k₂+k₃ = 1 %, 5 %, 10 % und 20 %
2Grundvoraussetzungen der zweikanaligen Stereotechnik
3Prüfaufzeichnungen: Phase, Gleichlauf, Rumpeln, Abtastfähigkeit, Übersprechen, Auflagekraft und Antiskating

3. Demonstration von Übertragungsfehlern

3.1 Lineare Verzerrungen

Die Musikbeispiele demonstrieren eingeschränkte obere und untere Grenzfrequenzen sowie typische Frequenzgangfehler:

  • obere Grenzfrequenzen 16 kHz, 8 kHz, 6 kHz und 4 kHz;
  • untere Grenzfrequenzen 30 Hz, 100 Hz und 315 Hz;
  • kombinierte Bereiche 30–16 000 Hz, 100–8 000 Hz und 315–4 000 Hz;
  • Anhebung um 150 Hz („Mum“/mulliger Charakter);
  • Anhebung um 3 kHz („extreme Präsenz“);
  • Absenkung um 200 Hz („fehlende Mitten“);
  • gerader Frequenzgang als Originalreferenz.

3.2 Nichtlineare Verzerrungen

Die Platte führt definierte Verzerrungsstufen von k₂+k₃ = 1 %, 5 %, 10 % und 20 % vor. Diese Spuren sind primär Hördemonstrationen und kein Ersatz für eine elektrische THD-Referenzmessung.

4. Grundtests der Zweikanal-Stereotechnik

TestZweck
2.1 Kanalidentifizierung „links–rechts“Zuordnung und Verdrahtung der Kanäle prüfen
2.2 Vergleichbare KlangbilderPegel- und Klangleichheit beider Kanäle beurteilen
2.3 Mitteneindruckbei gleichphasigem, gleichpegeligem Signal stabile Phantommitte prüfen
2.4 Stark differierende KlangbilderAuswirkung ungleicher Kanal-Frequenzgänge demonstrieren
2.5 OrtungstestSignalweg Mitte → links → Mitte → rechts → Mitte kontrollieren
Vor der Bewertung soll der Balance-Regler auf Mitte stehen. Grössere nötige Korrekturen deuten auf Kanalpegel-, Verstärker- oder Lautsprecherabweichungen hin.

5. Phasentest

Der Test verwendet Wobbeltöne auf den drei Basisfrequenzen 63 Hz, 125 Hz und 250 Hz. Gleichphasige Signale sollen aus der Mitte erscheinen; gegenphasige Signale wirken meist heller, unbestimmt und seitlich verteilt. Die drei Frequenzlagen berücksichtigen unterschiedliche Raum- und Lautsprechereigenschaften.

  1. Hörplatz mittig im gleichseitigen Dreieck wählen.
  2. Ansagen für gleich- und gegenphasige Signale verfolgen.
  3. Wenn die Zuordnung in mindestens einer Frequenzlage umgekehrt erscheint, Verkabelung eines Kanals prüfen.
  4. Mit Oszilloskop oder Zweikanal-Phasenmessung technisch verifizieren.

6. Gleichlaufmessung

Ein vierstimmiger Akkord dient zur Hörprüfung. Der Soprananteil liegt bei 3150 Hz und ermöglicht eine Messung mit einem Tonhöhenschwankungsmessgerät nach DIN 45 545.

  1. Plattenspieler aufwärmen und Platte sorgfältig zentrieren.
  2. 3150-Hz-Anteil an Wow-&-Flutter-Meter oder Neutrik A1 führen.
  3. DIN-Bewertung und Messdauer dokumentieren.
  4. Seitenschlag, Höhenschlag und Plattenzentrierung als Messunsicherheit angeben.
Die Messung enthält Seitenschlag, Höhenschlag und Fehler des Tellerantriebs. Für eine möglichst reine Laufwerksaussage ist die Platte mit der Zentrierrille am Ende der Antiskatingzone zu zentrieren.

7. Rumpelprüfung nach DIN 45 544

Als Vergleichssignal wird zunächst 315 Hz bei Vollaussteuerung verwendet. Danach folgen tieffrequente Doppeloktavrauschsignale mit Pegeln von −20, −30, −40 und −50 dB, jeweils abwechselnd mit Leerrillen.

  1. 315-Hz-Referenzpegel erfassen.
  2. Vergleichssignale und benachbarte Leerrillen abwechselnd hören oder messen.
  3. Die Stufe bestimmen, deren Rauschpegel dem hörbaren Rumpelgeräusch am nächsten kommt.
  4. Für quantitative Werte geeignete DIN-Bewertung und Messgerät verwenden.

Die Methode erlaubt eine gehörmässige Grössenordnungsschätzung, ersetzt für genaue Absolutwerte aber keine normgerechte Filter- und Pegelmessung.

8. Abtastfähigkeit bei 315 Hz

Die Abtastprüfung verwendet einen rund klingenden 315-Hz-Sinus, bei dem beginnende Fehlabtastung als scharfe Obertonbildung auffällt.

  • Seitenschrift: Pegelstufen 0 bis +10 dB; Amplituden ungefähr 28 bis 90 µm;
  • Tiefenschrift: Amplituden ungefähr 28 bis 56 µm, entsprechend bis +6 dB;
  • 0 dB entspricht 5,5 cm/s;
  • 10 cm/s ist Vollaussteuerung der Seitenschrift, 8 cm/s Vollaussteuerung der Stereoflankenmodulation.

Für die resultierende Aussteuerungsreserve je Kanal beschreibt das Booklet die geometrische Kombination der Seiten- und Tiefenschrift. Bei gleichen Grenzwerten von jeweils +10 dB ergibt sich wegen der Geometrie eine um ungefähr 5 dB höhere Kanalaussteuerungsreserve.

  1. Mit Hersteller-Auflagekraft und korrektem Antiskating beginnen.
  2. Stufen aufsteigend abspielen und beide Kanäle getrennt auf Mistracking prüfen.
  3. Höchste beidseitig saubere Stufe dokumentieren.
  4. Nicht wiederholt über die Abtastgrenze hinausfahren.

9. Übersprechmessung

Die Messung verwendet drei Oktavbereiche mit Mittenfrequenzen 400 Hz, 1600 Hz und 6300 Hz, jeweils vom rechten zum linken und vom linken zum rechten Kanal.

Ü = 20 × log₁₀(UG / UM) [dB]

UM ist die gemessene Spannung im unmodulierten Messkanal bei Anregung des Gegenkanals. UG ist die Spannung, die bei gleichstarker Modulation des Messkanals entstehen würde.

  1. Mit den ersten Aufzeichnungen die Kanalbalance prüfen.
  2. Nutzkanal und Fremdkanal bei 400, 1600 und 6300 Hz erfassen.
  3. L→R und R→L getrennt berechnen.
  4. Asymmetrien als Hinweis auf Azimut, Generator- oder Nadelorientierung interpretieren, nicht automatisch als reinen Azimutfehler.

Für eine gehörmässige Abschätzung enthält die Platte Vergleichssignale 20 dB unter der Gegenkanalmodulation.

10. Nachprüfung der Auflagekraft

Eine besondere Aufzeichnung von 1 kHz bei −10 dB schützt die übrigen Prüfrillen vor den Abhebeversuchen. Die Auflagekraft wird mit einer feinen Federwaage kontrolliert; ausschlaggebend ist der Augenblick, in dem die Nadel akustisch feststellbar aus der Rille abhebt.

Diese historische Methode ist heute nur ergänzend zu verwenden. Für die Werkstatt ist eine kalibrierte elektronische Tonarmwaage genauer und schont Nadel sowie Messplatte.

11. Antiskatingzone und Zentrierrille

Die Antiskatingzonen liegen ungefähr in der Mitte des Spielfelds, damit auf einen Mittelwert der radial veränderlichen Skatingkraft eingestellt wird. Vier Prüfbereiche entsprechen ungefähr 0–10 g, 10–50 g, 50–100 g und 100–200 g Tonarm-/Abtastergruppen nach historischer Einteilung.

Die nach innen anschliessende konzentrische Fangrille begrenzt die Zone, schützt folgende Aufzeichnungen und kann zugleich zur besonders genauen Zentrierung der Platte für Gleichlaufmessungen dienen.

  1. Passende Zone gemäss Plattenanweisung wählen.
  2. Antiskating auf neutrales Verhalten einstellen.
  3. Resultat mit modulierten Abtastspuren und Kanalverzerrung gegenprüfen.
  4. Für Gleichlaufmessung die Zentrierrille mit 50- bis 100-facher Beobachtungsvergrösserung oder geeigneter optischer Methode nutzen.
Eine glatte oder spezielle Antiskatingzone bildet die Reibung in einer modulierten Musikrille nur näherungsweise ab. Das Ergebnis wird deshalb als Einstellhilfe und nicht als alleiniger absoluter Nachweis dokumentiert.

12. Geeignete Messgeräte

PrüfungGeeignetes Gerät
Kanalpegel und ÜbersprechenNeutrik A1, NF-Voltmeter oder Zweikanal-Audioanalysator
PhaseZweikanal-Oszilloskop, Korrelationsmesser oder A1 mit Phasenoption
Gleichlauf 3150 HzNeutrik A1 Wow & Flutter oder DIN-45-545-Messgerät
RumpelnAudioanalysator mit DIN-45-544-Bewertung beziehungsweise geeigneten Filtern
AbtastfähigkeitOszilloskop, A1 THD+N ergänzend und kritisches Abhören
Auflagekraftkalibrierte elektronische Tonarmwaage
Plattenzentrierungoptische Vergrösserung/Mikroskop oder präzise Videoanalyse

13. Messprotokoll

MessgrösseErgebnisNorm/Bedingung
Kanalzuordnung und MittenabbildungHörtest
Phasenprüfung 63/125/250 HzHör-/Messprüfung
Gleichlauf… %3150 Hz, DIN 45 545
Rumpelvergleich… dBDIN 45 544 / Filter angeben
Abtastfähigkeit Seitenschrift… dB / … µm315 Hz
Abtastfähigkeit Tiefenschrift… dB / … µm315 Hz
Übersprechen 400/1600/6300 Hz… dBL→R und R→L
AntiskatingZone und Gegenprüfung nennen
Geeignete Kundenformulierung: „Die Deutsche-Grammophon-Prüfplatte 641 001 wurde für eine kombinierte Hör- und Messprüfung verwendet. Erfasst wurden Kanalzuordnung, Phase, Gleichlauf, Rumpelgrössenordnung, Abtastreserve und Übersprechen unter den dokumentierten Bedingungen.“

14. Eingebettete Originalscans

Die drei Originalscans sind vollständig als Base64 in diese einzelne HTML-Datei eingebettet.

Deutsche Grammophon 641 001 Inhaltsübersicht
Scan 1: Inhaltsübersicht; für die Leserichtung um 90° im Uhrzeigersinn gedreht.
Deutsche Grammophon Praktikum der HiFi-Stereo-Technik Einführung und Hinweise
Scan 2: Einführung, Begriffsgrundlagen und Hinweise zu den Demonstrationsaufzeichnungen.
Deutsche Grammophon 641 001 Erläuterungen zu Stereo, Phase, Gleichlauf, Rumpeln, Abtastung, Übersprechen, Auflagekraft und Antiskating
Scan 3: Technische Erläuterungen zu den Prüfungen 2.1 bis 3.7.

Änderungslog

  • Version 1.0 (2026-07-30): Fachentwurf vollständig in das öffentliche TechWiki migriert.