Lenco Prüfplatte Nr. 771 – Messanleitung und Plattenbeschreibung

Service- und Fertigungsprüfplatte für Zentrierung, Frequenzgang, Rumpeln, Gleichlauf, Abtastfähigkeit, Phase und Automatik.

AV000029Version 1.0Stand 2026-07-30publicAudio / VideoMessanleitung

Kurzinformation

KB-ID
AV000029
Version
1.0
Stand
2026-07-30
Referenzschallplatte
Lenco Prüfplatte Nr. 771
Dokumenttyp
Messanleitung und Plattenbeschreibung
Quellstand
Fachentwurf 0.9 vom 29.07.2026

1. Zweck und Messgrenzen

Lenco entwickelte die Nr. 771 für Fabrikationskontrolle und Service. Die Platte ist eine besonders umfassende Ein-Platten-Lösung, weil Laufwerks-, Tonarm-, Tonabnehmer-, Kanal- und Automatikprüfungen kombiniert werden.

Mit der Lenco 771 prüfbarNicht isoliert bestimmbar
Zentrierung und Höhenschlag der Testplattereiner Motorfehler ohne Platteneinfluss
Aufsetzpunkte für 30-, 25- und 17-cm-Plattenlangfristige Zuverlässigkeit der Automatik
elektrischer Gesamtfrequenzgang 30 Hz–20 kHzFrequenzgang nur des Tonabnehmers oder nur der Phonostufe
Rumpeln nach DIN 45 539isoliertes Tellerlagergeräusch
Gleichlauf bei 33⅓ und 45 min⁻¹absoluter Laufwerkswert ohne Zentrier- und Platteneinfluss
horizontale und vertikale Abtastfähigkeitmikroskopischer Nadelverschleiss
Kanalzuordnung und LautsprecherphasePhasenwinkel über der Frequenz

2. Seite A – Hauptprüfseite

BandSignal/FunktionTechnische AngabeVerwendung
A1konzentrische ZentrierrillePlatte auf Teller zentrieren; Seiten- und Höhenschlag minimieren
A2Aufsetzpunkt 30-cm-Plattekonzentrische KennrilleAutomatik-Tonarm prüfen
A3Pegelton links/rechts1 kHz, 0 dB, V = 8 cm/s, DIN 45 541; je ca. 17 sPegel, Kanalbalance und Referenz
A4Frequenzgang20 Hz–20 kHz bei −20 dB; 1-kHz-Start/Stop; ca. 47 s bei 3 mm/sGesamtfrequenzgang der Wiedergabekette
A5Rumpelreferenz315 Hz, V = 5,42 cm/s, linke und rechte Flanke; je ca. 22 sBezugspegel für Rumpelmessung
A6Aufsetzpunkt 25-cm-Plattekonzentrische KennrilleAutomatik-Tonarm prüfen
A7KanalzuordnungRauschen links, danach rechts; je ca. 10 srichtige Kanalverkabelung
A8RumpeltestLeerrillen, ca. 50 sStör-/Rumpelpegel im direkten Übergang zu A9
A9Gleichlauf 33⅓3150 Hz, ca. 35 sWow & Flutter; mit A8 synchronisiert und ohne Unterbruch
A10Gleichlauf 453150 Hz, ca. 33 sWow & Flutter bei 45 min⁻¹
A11Abtasttest horizontal300 Hz, 20–110 µmlaterale Abtastfähigkeit
A12Aufsetzpunkt 17-cm-Plattekonzentrische KennrilleAutomatik-Tonarm prüfen
A13Abtasttest vertikal20–60 µmvertikale Abtastfähigkeit
A14Einlauf-/AuslaufrilleEinlauf 0,8 mm Steigung; normal ca. 2 Umgänge; Auslauf 3 mmautomatische Endabschaltung nach DIN-Grenzwerten

3. Seite B – Langzeit- und Lautsprecherprüfungen

BandSignal/FunktionTechnische AngabeVerwendung
B1konzentrische ZentrierrilleMessplatte zentrieren
B2Rumpelreferenz315 Hz, V = 5,42 cm/s, linke und rechte FlankeBezugspegel
B3Leerrillenca. 2 min 45 sRumpeltest
B4Gleichlauf 33⅓3150 Hz, ca. 3 min 20 sLangzeitmessung
B5Gleichlauf 453150 Hz, ca. 1 min 20 sLangzeitmessung
B6weisses Rauschenbis 20 kHz; anschliessend 1/3-Oktav-gefiltertes weisses Rauschen 20 Hz–20 kHzgehörmässige Lautsprecherbeurteilung
B7Phasentestzuerst phasenrichtig, danach ein Kanal um 180° gedrehtLautsprecherpolung und Stereoabbildung
B8Leerrillenca. 4 min 10 slanger Rumpeltest
B9Einlauf-/Auslaufrillewie A14, jedoch Auslaufrille mit 1,5 mm Steigungautomatische Endabschaltung

4. Geeignete Messgeräte

PrüfungEmpfohlenes MessgerätHinweis
Pegel und KanalbalanceNeutrik A1, True-RMS-NF-VoltmeterPhonovorverstärker mit dokumentiertem Gain
FrequenzgangAudiointerface/FFT oder Pegelschreiber−20-dB-Aufzeichnung; 20-Hz-Hochpass laut Lenco zur Unterdrückung der Tonarmresonanz möglich
RumpelnA1 Relative Level/Noise oder DIN-45-539-MessplatzReferenz A5/B2 und Leerrille verwenden
GleichlaufNeutrik A1 Wow & Flutter oder DIN-45-507/45-544-Messgerät3150 Hz
AbtastfähigkeitZweikanal-Oszilloskop, A1 THD+N ergänzendbeide Kanäle getrennt beobachten
PhaseHörprüfung, Oszilloskop oder KorrelationsmesserB7
Automatikvisuelle FunktionsprüfungAufsetz- und Auslaufrillen

5. Zentrierung der Messplatte

Seiten- oder Höhenschlag der Platte verursacht Messfehler bei Gleichlauf und Rumpeln. A1 beziehungsweise B1 dienen zum Zentrieren.

  1. Nadel in die konzentrische Zentrierrille setzen.
  2. Seitliche Tonarmbewegung beobachten.
  3. Plattenspieler stoppen und Platte innerhalb des Mittellochspiels verschieben.
  4. Wiederholen, bis die Bewegung minimal ist.
  5. Plattenposition während der Messreihe nicht verändern.
Platte niemals bei laufendem Teller verschieben.

6. Frequenzgangmessung mit A4

A4 enthält 20 Hz bis 20 kHz bei −20 dB mit 1-kHz-Start- und Stoppsignal. Die historische Laufzeit beträgt etwa 47 Sekunden bei 3 mm/s Papiervorschub.

  1. Messkette aufzeichnen und den 1-kHz-Startton als Referenz verwenden.
  2. Sweepbereich separat auswerten.
  3. Nach Lenco entweder selektiv messen oder einen 20-Hz-Hochpass verwenden, um Tonarmresonanz bei der Frequenzgangmessung auszublenden.
  4. Kurven links und rechts auf 1 kHz normieren und Kanalabweichung dokumentieren.
Gemessen wird die gesamte Kette aus Messplatte, Nadel, Tonabnehmer, Verkabelung, Phonostufe und Messgerät.

7. Rumpelmessung

7.1 Kurzmessung Seite A

A5 liefert die 315-Hz-Referenz für linke und rechte Rillenflanke. A8 enthält etwa 50 Sekunden Leerrille und läuft ohne Unterbruch in A9 über. Für eine aussagekräftige Messung sollen A8 und A9 vollständig durchgespielt werden.

7.2 Langzeitmessung Seite B

B2 liefert die Referenz; B3 enthält etwa 2 min 45 s und B8 etwa 4 min 10 s Leerrillen.

Rumpelabstand [dB] = Referenzpegel bei 315 Hz − bewerteter Störpegel der Leerrille
Absolute Rumpelwerte nur mit dokumentierter DIN-45-539-Filterung und Messart veröffentlichen. Ohne Normfilter ist die Angabe ein relativer Störabstand.

8. Gleichlaufmessung

DrehzahlKurzspurLangspurFrequenz
33⅓ min⁻¹A9, ca. 35 sB4, ca. 3 min 20 s3150 Hz
45 min⁻¹A10, ca. 33 sB5, ca. 1 min 20 s3150 Hz
  1. Platte zentrieren und Laufwerk aufwärmen.
  2. A1 Wow & Flutter auf 3150 Hz und die dokumentierte Norm einstellen.
  3. Kurzspur für schnellen Check, Langspur für stabilere Aussage verwenden.
  4. bewerteten Gleichlauf, Drift, Messdauer und Auffälligkeiten protokollieren.
Die deutsche Seite nennt DIN 45 507, die englische Seite DIN 45 544. Im Kundenbericht ist deshalb die tatsächlich am Messgerät gewählte Bewertungsnorm ausdrücklich anzugeben.

9. Horizontale und vertikale Abtastfähigkeit

  • A11: horizontal/lateral, 300 Hz, 20 bis 110 µm;
  • A13: vertikal, 20 bis 60 µm.
  1. Mit korrekter Hersteller-Auflagekraft beginnen.
  2. Stufen in aufsteigender Reihenfolge abspielen.
  3. beide Kanäle auf hör- oder messbaren Klirranstieg und Mistracking prüfen.
  4. höchste beidseitig saubere Stufe dokumentieren.
  5. nicht wiederholt über die Abtastgrenze hinausfahren.

10. Kanalzuordnung und Lautsprecherphase

10.1 Kanalzuordnung A7

Rauschen wird ungefähr zehn Sekunden links und danach ungefähr zehn Sekunden rechts aufgezeichnet. Damit wird die Seitenrichtigkeit der vollständigen Wiedergabekette geprüft.

10.2 Phasentest B7

Im ersten Teil ist das Signal phasenrichtig und soll bei korrekt gepolten Lautsprechern stabil aus der Mitte erscheinen. Anschliessend wird ein Kanal um 180° gedreht; die Wiedergabe soll diffus beziehungsweise stereoartig wirken. Bei vertauschter Lautsprecherpolung ist die Wahrnehmung umgekehrt.

11. Automatik- und Abschaltfunktionen

11.1 Aufsetzpunkte

  • A2: 30-cm-Platte;
  • A6: 25-cm-Platte;
  • A12: 17-cm-Platte.

11.2 Endabschaltung

A14 verwendet eine Einlaufrille mit 0,8 mm Steigung, etwa zwei Umgänge Normalsteigung und eine Auslaufrille mit 3 mm Steigung. B9 entspricht A14, besitzt jedoch eine Auslaufrille mit 1,5 mm Steigung. Damit lassen sich unterschiedliche Grenzfälle der Abschaltautomatik prüfen.

Tonarm während Automatiktests beobachten, um Kollisionen oder Nadelbelastung zu verhindern.

12. Messprotokoll

PrüfungSpurErgebnisBedingung
ZentrierungA1/B1unauffällig/RestabweichungMethode angeben
KanalbalanceA3… dB1 kHz, 8 cm/s
FrequenzgangA4… dBMessbereich/Filter
RumpelabstandA5+A8 oder B2+B3/B8… dBDIN-Filter angeben
Gleichlauf 33⅓A9/B4… %3150 Hz, Norm
Gleichlauf 45A10/B5… %3150 Hz, Norm
Abtastfähigkeit horizontalA11… µm300 Hz
Abtastfähigkeit vertikalA13… µm
Kanal/PhaseA7/B7korrekt/auffälligHör-/Messprüfung
AutomatikA2/A6/A12/A14/B9bestanden/auffälligPlattengrösse/Steigung
Geeignete Kundenformulierung: „Die Lenco Prüfplatte Nr. 771 wurde für eine kombinierte Laufwerks-, Abtast- und Automatikprüfung verwendet. Erfasst wurden Drehzahl/Gleichlauf, Rumpelabstand, Frequenzgang, Kanalzuordnung, Lautsprecherphase, horizontale und vertikale Abtastfähigkeit sowie Aufsetz- und Abschaltfunktionen.“

13. Grenzen und Fehlerquellen

  • Die Platte muss flach gelagert werden; Verformung verfälscht Gleichlauf, Rumpeln und Abtastung.
  • Restexzentrizität erzeugt eine periodische Frequenzmodulation.
  • Phonostufe und Tonabnehmer beeinflussen Frequenzgang und Rumpelangabe.
  • Leerrillen enthalten auch Plattenoberflächen- und Pressgeräusche.
  • Die höchste Abtaststufe ist eine Funktionsprüfung des gesamten Abtastsystems, kein isolierter Diamantnachweis.
  • Automatiktests erfordern Beaufsichtigung.

14. Eingebetteter Originalscan

Der bereitgestellte zweisprachige Originalscan ist als Base64 direkt in diese einzelne HTML-Datei eingebettet.

Lenco Prüfplatte Nr. 771 deutsche und englische Originalanleitung mit Spurlageplänen
Originalanleitung: deutsche und englische Beschreibung der Seiten A und B mit grafischer Spuranordnung sowie 50-Hz-Toleranzstroboskop.

Änderungslog

  • Version 1.0 (2026-07-30): Fachentwurf vollständig in das öffentliche TechWiki migriert.